Erwachen

Wie ein Tropfen, der aus einem Eimer mit göttlichen Bewußtsein herausgetropft ist und dadurch eigenständig wurde (ein Ego entwickelte), so hat man sich sein Leben lang gefühlt. Sein eigenes kleines Wachbewußtsein erstreckte sich gerade mal über die Ausdehnung dieses Tropfens. Die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung mit dem Inhalt des Eimers, dem göttlichen Bewußtsein, brannte in einem unterschwellig, ohne dass man es zu deuten vermochte. Man fühlte immer, dass da noch etwas sein musste, dass einem etwas fehlte, ja etwas zur Vervollständigung, zur Vollkommenheit. Und dann ... plötzlich erkennt man, dass man kein getrennter Tropfen ist, dass es diesen nie gab, die Sehnsucht unbegründet war und nur aufgrund des Egos entstand. Man war immer integriert, ein Bestandteil von Allem, ein Teil des Ganzen, ein Teil Gottes, Gott.
Nachfolgend habe ich einige Zitate aufgeführt, die mich bewegt haben. Sie sind zwar teilweise aus dem Zusammenhang herausgerissen, aber dennoch, wie ich finde, sehr beeindruckend und zum Denken anregend.

Beginne zu verstehen: Du bist mehr als ein Mensch. Sobald du sagst, du bist menschlich, begrenzt du dich. Du bist göttlich! Du bist hoher Geist in einer menschlichen Hülle. Mag es dir auch noch so schwer fallen: Beginne zu verstehen, dass dir diese Gedankenmuster nicht dienlich sind. Was glaubst du, warum wir dir immer wieder die Botschaft übermitteln: Höre nicht auf die Menschen. Beginne zu verstehen, dass alles, was du brauchst, in dir ist. Du bist in dir göttlich. Es geht darum, dass du beim göttlichen Erwachen immer mehr erkennst, dass du göttlich bist, ein göttlicher Mensch auf Erden. Ein hoher Geist, der menschliche Erfahrungen gesammelt hat.
Lao Tse

In diesem Augenblick stellt sich heraus, dass niemand da ist. Dieses Gefühl, da sei eine Person, war bisher immer da, eine Konstante, die diesem Leben Sinn gegeben hat. All die vielen Jahre ist sie nie in Frage gestellt worden. Sie wurde so selbstverständlich für mein Ich, mein Zentrum, meinen Standort genommen, dass sie nicht einmal bemerkt wurde. Jetzt erweist sie sich als pure Erfindung. Plötzlich ist klar, dass ich nie ein Leben gehabt habe, weil es mich als ein Ich nie gegeben hat. Ich lebe nicht, ich werde gelebt. Ich handle nicht, aber Handeln geschieht durch mich, die Marionette des Göttlichen.
Richard Sylvester, aus "Erleuchtet - und was jetzt?" 

ALLES WAS IST, IST DAS Es verfolgt keine Richtung, ist frei und hat keine Absichten. Es webt in endloser Liebe sich selbst als scheinbar getrenntes Individuum. Staunend, lauschend und sich selbst genießend erfreut es sich an diesem Mysterium Leben. Die geträumten Charaktere, sowie der Träumer selbst sind lediglich Erscheinungen im Bewusstsein. Folglich gibt es keine eigenständigen Wesenheiten, keine Handelnden und keinen freien Willen. Keine Schud und keinen Schuldigen. Es existiert kein Jemand, der gefangen ist und folglich auch niemand, der befreit werden könnte.
Karim

Du bist aus einem einzigen Grund und mit einer einzigen Absicht in diesen kollektiven Traum gekommen: um aufzuwachen und die Wahrheit dieser ganzen Sache zu erkennen - dass du formlose, zeitlose, unsterbliche Liebe bist. Und dass du bereits zu Hause bist.
Eli Jaxon-Bear, aus "Plötzliches Erwachen"

Wir werden jetzt und hier beginnen, nichts weiter wissend, als dass wir hier sind, menschliche Wesen, und dass etwas grundsätzlich falsch zu sein scheint, mit dem Leben als Mensch: es scheint als solle es besser, leichter und angenehmer sein. Der eigentliche Grund, für alles menschliche Elend und Leid, ist ein Irrglaube über mich selbst: der Irrglaube mein Leben zu sein. Lasse diese Aussage einfach auf dich wirken. Auch wenn du sie schon zu früherer Zeit gehört hast, auch wenn du völlig mit ihr vertraut bist, auch wenn du ihr völlig zustimmst oder sie vollständig ablehnst. Halte einfach für einen Augenblick inne, und ziehe sie in Betracht, von Angesicht zu Angesicht: dieser Irrglaube mein Leben zu sein.
John Sherman

Du wachst morgens in deine Traumwelt auf. Das ist die einzige Realität, die du kennst. Du kennst nur deine Traumwelt. Das verbindet dich mit allen anderen Personen. Jede Person kennt nur die Welt, in die sie morgens aufwacht. Und das Aufwachen ist ein Weiterschlafen. Dabei läuft der Körper umher. Der Unterschied zwischen Schlafen und nicht Schlafen ist einzig: Einmal liegt der Körper im Bett, das andere Mal nicht. Wenn dir das klar wird, löst sich die eingebildete Autorschaft nach und nach auf. Dann kannst du die Hände hochnehmen und dir eingestehen, dass du keine Ahnung hast. Welche Erleichterung!
Daniel Herbst, aus "Metamorphose der Geist erwacht zur Wirklichkeit"

All das ist nichts als die Quelle, die erscheint. Es ist das Eine, das als Zwei erscheint ... Das Eine, das spielt, eine Wand zu sein ... Und ihr spielt das Spiel, zu glauben, eine Person zu sein. Das einzige Problem ist, dass ihr das Spiel ernst nehmt. Was hier (im Satsang) und anderswo geschieht, ist, das wir uns erinnern: "Oh natürlich, es ist ein Spiel!" Man erinnert sich einfach an etwas, das man schon einmal wusste. Als Kinder habt ihr es gewusst. Dann habt ihr euch den Mantel der Trennung, des Erwachsenseins und letzten Endes den Mantel des schmerzlichen Verlustes angezogen. Was in der Welt passiert, was mit eurem Leben passiert - wie erfolgreich es auch zu sein scheint - ist nie genug. Ihr sehnt euch immer danach, heimzukehren.
Tony Parsons, aus "DAS IST ES"

Als ich meinen Guru traf, sagte er mir: “Du bist nicht, was du glaubst zu sein. Finde heraus, was du bist. Betrachte die Wahrnehmung “ich bin”, finde dein wirkliches Selbst”. Ich hörte auf ihn (gehorchte ihm), weil ich ihm vertaute. Ich tat, wie er mir gesagt hatte. All meine freie Zeit verbrachte ich damit, in Stille auf mich zu schauen. Und was für einen Unterschied das machte, und wie schnell. Mein Lehrer wies mich an, eisern an der Empfindung “ich bin” festzuhalten, und nicht für einen Moment von ihr abzuschweifen. Ich tat meine bestes, seiner Anweisung Folge zu leisten, und in einer vergleichsweise kurzen Zeit erkannte ich für mich selbst die Wahrheit in seiner Lehranweisung. Alles was ich tat, war mich selbst ständig an seine Lehranweisung zu erinnern, sein Gesicht, seine Worte. Das brachte den Verstand zur Ruhe; in der Stille des Verstandes sah ich mich, wie ich bin - frei von Bindung. Ich leistete einfach der Anweisung (meines Lehrers) Folge, den Verstand rein auf “ich bin” (Gewissheit zu sein) zu konzentrieren, und darin zu verbleiben. Ich verbrachte Stunden damit, mit nichts anderem, als dem “ich bin” in meinem Geist hier zu sitzen, und bald wurden Friede, und Freude, und eine tiefe, alles umfassende Liebe, mein gewöhnlicher Zustand. In ihm verschwand alles - ich selbst; mein Guru; das Leben, das ich lebte; die Welt um mich. Nur Friede blieb zurück und unermessliche Stille.
Nisargadatta Maharaj

Der Körper-Geist ist bloß ein Objekt. Da steckt niemand drin. Er ist einfach nur ein Mechanismus, der funktioniert. Er ist ein Organismus, der heranwächst und funktioniert und der konditioniert ist und Gefühle, Gedanken, Vorlieben und Gewohnheiten hat, die einfach so ablaufen. Aber da ist niemand drin, der das alles tut. Das ist einfach die Einheit, die als Körper-Geist-Mechanismus auftaucht - als ein Mechanismus, der in gewisser Weise eine göttliche Marionette ist, weil er einfach auf das, was ist, reagiert, ohne eigenen Willen. Es gibt allerdings gar keinen Puppenspieler. Es gibt kein Drehbuch, keinen Plan, kein Schicksal ... alles ist nur das zeitlose Sein, das als etwas erscheint, das scheinbar geschieht.
Tony Parsons, aus "Einfach nur Dies "

Wenn ich sage, es gibt niemanden, dann ist das keine philosophische Aussage, es ist buchstäblich das was in der Befreiung gesehen wird. Wir erfahren keine Dinge die passieren, weil es "uns" nicht gibt. Dinge passieren und dies kann auch das "mich" Gefühl einer Person beinhalten. Dieses Gefühl löst sich aber auf, wenn die Befreiung gesehen wird! Im Tod passiert nichts mit uns, weil jetzt auch schon nichts mit uns passiert. Es gibt einfach kein "uns". Wir bestehen nicht weiter nach dem Tod, da wir jetzt auch schon nicht bestehen. Es gibt nur Sein.
Richard Sylvester

Es ist völlig egal, was in deinem Leben geschieht. Du kannst auf materieller Ebene der glücklichste Mensch der Welt sein, oder du kannst unglücklich oder krank sein. Es hat nichts mit dir zu tun. Es hat absolut nichts mit dir zu tun. Das ist dein Körper und dein Verstand, nicht DU. Du bist Brahman. Du bist Nirvana. Du bist die Absolute Realität. Was mit deinem Körper und deinem Verstand vor sich geht, hat absolut nichts mit dir zu tun. ... Du bist Reine Realität. Du bist das Unvergängliche Selbst. Du wurdest nie geboren, du hast nie existiert, du wirst nie vergehen. DU BIST DAS EINE, DAS ALLUMFASSENDE EINE. Folglich musst du absolut nichts aufgeben. Denn du hattest ja nie etwas. Es ist wirklich egoistisch zu denken, du hättest etwas, das aufzugeben wäre. Du musst nichts hingeben. Es ist nur das Ego, welches denkt, es müsste etwas hingeben oder aufgegeben werden, du müsstest etwas loslassen. Wer ist derjenige, der je etwas hatte? Da ist niemand. Da ist nur die Eine Realität und DU BIST DAS.
Robert Adams, aus "Stille des Herzens"

Und dann sitzt du da, als "das Ganze an sich", und in dir ist da ein Körper, und du dachtest ein Leben lang, du seiest dieser Körper. Und in Wirklichkeit bist nicht du in diesem Körper, sondern dieser Körper in dir. Als ein beliebiger Traumkörper. Und da is kein "Ich" mehr, und was übrig bleibt kann sich nur wundern, jemals gedacht zu haben, dieses "Ich" zu sein. Ein "Ich" das sterben könnte. Ein "Ich" das kommt und auch geht. Eine vergängliche Erscheinung, innerhalb all dieser vergänglichen Erscheinung.
Edgar Hofer, aus "Tantrische Erleuchtung"

Das Bewusst-Sein braucht diesen Körper, um die Welt wahrzunehmen. Ohne lebendigen Körper gibt es keine Wahrnehmung. Wir schauen als Bewusst-Sein gewissermaßen von außen durch diesen Körper auf unsere Welt. Entscheidend im Sinne des "Erwachens" ist es, die Vorstellung loszulassen, dass das Bewusst-Sein ausschließlich mit deinem Körper identifiziert wäre, es wieder zu einem rein beobachtenden Bewusst-Sein werden zu lassen, das erkennt, dass es mit der ganzen Welt identifiziert ist. Auch wenn alle Ego-Konzepte endgültig aufgelöst, bzw. durchschaut worden sind, wird die Welt weiterhin durch diesen Körper wahrgenommen und gefühlt, und es wird weiterhin den Anschein haben, als sei dieser Körper "mein" Körper. Das "Ich-bin-dieser-Körper-Gefühl" wird dabei also nicht verschwinden.
Hermann R. Lehner, aus "Was suchst Du?"